Gesellschaft

Vor 50 Jahren - Blicke auf das Epochenjahr 1968

Kursnummer: W110104
Dozent: Christian Holtgreve

Mit dem sechsteiligen Kurs in diesem Frühjahrssemester beenden wir den vierjährigen Zyklus zum Thema #Vorgeschichte, Verlauf und Nachwirkung des Epochenjahres 1968#. Auch jetzt sind noch neue Teilnehmer zur Teilnahme eingeladen.
Das Jahr 1968 ist zum Mythos geworden, entweder nach dem Motto #Die 68er sind an allem schuld# oder in der Verklärung zum weltweiten Aufbegehren einer ganzen Generation. Mit 50jährigem Abstand lässt sich dieses Jahr sicherlich historisch so würdigen, dass der tatsächliche Verlauf nachgezeichnet werden kann.
Der Vietnam-Krieg der USA dürfte der entscheidende Katalysator für die weltweiten Proteste gegen die massive Bombardierung eines Entwicklungslandes gewesen sein. In den USA, in Japan, Brasilien, Mexiko und in fast allen europäischen Ländern kommt es zu zahlreichen Protestaktionen. Als am 4. April der #Vater# der Bürgerrechtsbewegung, Martin Luther King, in Memphis ermordet wird, gehen die Afroamerikaner auf die Straßen.
In Westdeutschland beginnt das Jahr mit dem vom SDS organisierten Vietnam-Kongress am 17./18. Februar in Westberlin. Unter dem Motto #Für den Sieg der vietnamesischen Revolution# diskutieren an die 5.000 Teilnehmer, 44 Delegationen aus 14 Ländern sind anwesend.
Redner sind u.a. die Schriftsteller Peter Weiss und Erich Fried, der SDS-Vorsitzende Karl Dietrich Wolff und Rudi Dutschke, der sich zu diesem Zeitpunkt auf dem Höhepunkt seiner Popularität befindet. Auf diesen #Kopf# der gesamten Studentenbewegung der 60er Jahre wird am 11. April 1968 ein Attentat verübt, das Dutschke nur knapp überlebt und an dessen Folgen er 1979 stirbt. Dieses Attentat wird vor allem der #Springer-Presse# zur Last gelegt, die in der Zeit vorher mit ihren Zeitungen wie der #BILD# zu einer gnadenlosen Hetze gegen die linken Studenten beigetragen hatte. Es kommt in fast allen Hochschul-Städten der Republik zu heftigen Demonstrationen, bei denen vielfach Auslieferungs-Fahrzeuge der Springer-Zeitungen in Brand gesteckt werden.
Der Mai dieses Jahres ist überschattet von den großen Demonstrationen von Studenten, aber auch Arbeitern in Frankreich. Im #Pariser Mai# wird das Quartier Latin, das Universitätsviertel, wochenlang besetzt und überall im Land wehen die roten Fahnen der Revolte.
Auch in Deutschland gibt es noch eine wichtige Demonstration: am 11. Mai erfolgt der #Sternmarsch auf Bonn#, an dem ca. 60.000 Bürger aus allen Teilen des Landes teilnehmen, um gegen die bevorstehende Notstandsgesetzgebung der Großen Koalition zu protestieren. Hauptredner auf der Abschusskundgebung im Bonner Hofgarten ist der Literatur-Nobelpreisträger Heinrich Böll.
Dann kommt der Sommer, die Proteste verlaufen sich, im SDS brechen Flügelkämpfe aus und ein besonderes Jahr nicht nur in der deutschen Geschichte geht zu Ende.

Mittwoch, 21.02., 19:00-21:00 Uhr; Warburg, Am Markt 3 (Altstadt); 6 Termine; 16 UE; 22€

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