Grundlagen der Weiterbildung in NRW

1. Das System der gemeinwohlorientierten Weiterbildung in NRW

Das Weiterbildungssystem in NRW wird im Folgenden mit seinen relevanten Grundbausteinen beschrieben.

 

a. Gesetzliche Grundlagen/Historie

Die Weiter- bzw. Erwachsenenbildung hat in NRW Verfassungsrang.

Auszug aus der Verfassung des Landes Nordrhein-Westfalen vom 28.06.1950, Art.17: „Die Erwachsenenbildung ist zu fördern. Als Träger von Einrichtungen der Erwachsenenbildung werden neben Staat, Gemeinden und Gemeindeverbänden auch andere Träger, wie die Kirchen und freie Vereinigungen, anerkannt.“

Die Verfassung unterstreicht damit die systemische und umfassende Bedeutung der Erwachsenenbildung für die Gestaltung des Gemeinwohls.

1953 wurde mit dem „Gesetz über die Zuschussgewährung an Volkshochschulen und entsprechenden Volksbildungseinrichtungen“ erstmals in NRW eine Grundlage für die finanzielle Förderung der Weiterbildung sowohl in kommunaler als auch in anderer Trägerschaft geschaffen.

Darin waren folgende Bildungsziele bereits erfasst:

1. Vertiefte Lebenserfahrung
2. Selbständiges Urteil
3. Bewusste Lebensgestaltung
4. Mitbürgerliche Verantwortungsfreude und
5. Erziehung zu demokratischem Denken und Handeln


1975 trat das „Erste Gesetz zur Ordnung und Förderung der Weiterbildung im Land Nordrhein-Westfalen“ in Kraft, welches die Aufgaben, Strukturen und Finanzierung der Weiterbildung neu regelte:

1. Recht auf Weiterbildung für alle Bürgerinnen und Bürger 
2. Einführung der kommunalen Pflichtaufgabe Volkshochschule zur Sicherung der kommunalen Grundversorgung
3. Sicherstellung der Pluralität des Angebots durch gesetzliche Anerkennung weiterer Träger
4. Institutionelle Förderung und Professionalisierung der Einrichtungen durch Zuschüsse für Personal und Maßnahmen

 

Folgende Punkte wurden mit der Novellierung des WbG im Jahr 2000 neu geregelt:

1. Neue inhaltliche Schwerpunktsetzung (§§ 3, 11,2 und 16,2)
2. Strukturabsicherung durch Fusions- und Kooperationsmöglichkeiten und Absicherung für fünf Jahre
3. Wirksamkeitsdialog

 

Anmerkung: Das 1984 in Kraft getretene Arbeitnehmerweiterbildungsgesetz NRW bildet die Grundlage eines Rechtsanspruchs für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auf Freistellung.
Dieser Bildungsurlaub kann aktuell für politische und berufliche Bildung in Anspruch genommen werden.

 

b. Organisationsstrukturen

Mit der Institutionalisierung der Weiterbildung als vierte Säule (neben Schule, Berufsausbildung und Hochschule) sollte der Auftrag des Bildungswesens in öffentlicher Verantwortung erfüllt werden. Weiterbildung wurde als ergänzend, nachschulisch und umfassend für lebenslanges Lernen konzipiert. Zur Einlösung des Rechts auf Weiterbildung (WbG § 1) wurden professionelle Strukturen und eine flächendeckende Weiterbildungslandschaft geschaffen.

Mit dem Ziel der Sicherung der Grundversorgung sind die Kommunen zur Einrichtung und Unterhaltung einer Volkshochschule verpflichtet. Ihnen wird damit im Gesetz ein besonderer Stellenwert eingeräumt.  

Die Volkshochschulen und die Einrichtungen in anderer Trägerschaft sind im gesamten Themenspektrum der Weiterbildung tätig und gewährleisten so ein plurales und bedarfsorientiertes Angebot.

Das Weiterbildungsgesetz NRW von 1975 bietet bis heute hierzu grundsätzlich den normativen Rahmen.

Die Einrichtungen der politischen und der Familienbildung verfügen über ein jeweils spezifisches Profil und eine besondere Expertise. Sie setzen ihre Angebote zu mindestens 75% in ihrem Kernbereich um. Sowohl untereinander als auch mit der Landeszentrale für politische Bildung bzw. dem Familienministerium stehen sie in einem kontinuierlichen Fach- und Wirk-samkeitsdialog.

 

Die Akteure und ihre Zuständigkeiten:

Das Land: Das Land ist nach Maßgabe dieses Gesetzes zur Förderung der Weiterbildung verpflichtet. Der Landtag beschließt im Rahmen der Haushaltsgesetzgebung über die Höhe der Zuweisungen und Zuschüsse für hauptamtliches bzw. hauptberufliches pädagogisches Personal und für die Maßnahmen, die nach Unterrichtsstunden und Teilnehmertagen berechnet werden. Weiterhin beschließt er über die zusätzlichen Leistungen für die Weiterbildung.

Die Landesregierung: Ausführend ist das „Ministerium für Kultur und Wissenschaft“ als derzeit für den Geltungsbereich des WbG federführendes Ministerium i. V. m. weiteren Ressorts.

Nachgeordnete Landesbehörden: Landesjugendämter und Bezirksregierungen (zuständig für die Anerkennungsverfahren, Finanzaufsicht und Aufsicht über die pädagogischen Inhalte (§ 11, 2, §15, § 16,2)), Supportstelle allg. Weiterbildung im QUA-LiS.

Landesorganisationen und der Gesprächskreis:Der Gesprächskreis ist der Zusammenschluss von 17 Landesorganisationen der Weiterbildung. Er vertritt die Interessen der 435 Einrichtungen in kommunaler und freier Trägerschaft.

Die Träger der Einrichtungen: Vielfältige gesellschaftliche Akteure (z. B. Kommunen, Kirchen, Gewerkschaften, organisierter Sport, politische Stiftungen, Wohlfahrtsverbände, Vereine, Initiativen) bekennen sich zur öffentlichen Verantwortung für die Weiterbildung und tragen und fördern ihre Einrichtungen vor Ort.

Weiterbildungseinrichtungen: Sie schaffen bedarfsorientiert das Angebot und gewährleisten die Qualität der Bildungsangebote. Sie sind zur Zertifizierung nach einem vom Land anerkannten Qualitätssiegel verpflichtet. 

 

c. Leistungen der Weiterbildung

Die 435 Einrichtungen (davon 131 Volkshochschulen) haben im Jahr 2016 laut Berichtswesen Weiterbildung NRW (Berichtsjahr 2016) 267.000 Bildungsveranstaltungen mit 3,7 Mio. Teilnahmefällen mit 7 Mio. Unterrichtsstunden und 620.000 Teilnehmertagen durchgeführt.

Sowohl über zentral gelegene städtische Häuser als auch dezentrale Standorte in den Quartieren und ländlichen Regionen können mit den Angeboten der Weiterbildung flächendeckend unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen und Milieus erreicht werden.

Die Kernleistungen (WbG § 3) werden durch vielfältige weitere Angebote gestützt bzw. ermöglicht, etwa durch Weiterbildungsberatung, Einstufungstests, sozialpädagogische Begleitung, Kulturveranstaltungen, Netzwerkaktivitäten, Treffpunktarbeit, Eltern-Cafés und sozialräumliche Projekte.

 

d. Personal

Die Wirksamkeit der Weiterbildung hängt in hohem Maße von der Qualität der pädagogischen Angebote der Institutionen, vor allem aber von der Qualität der praktischen Lehr-/ Lernprozesse ab. Die Qualität des Angebots wird durch die planenden, verwaltenden und lehrenden Mitarbeitenden gesichert. Hierbei nehmen die hauptamtlichen Mitarbeitenden eine Schlüsselrolle ein.  

Um die Breite und Flexibilität des Angebots sowie die rasche Reaktion auf Bildungsbedarfe (z. B. Integrationsmaßnahmen) sicherzustellen, bedarf es eines guten Zusammenspiels von hauptamtlichen und nebenamtlichen Mitarbeitenden. Dabei bilden die nebenamtlichen Lehrkräfte die Mehrzahl der Mitarbeitenden. Das Berichtswesen Weiterbildung NRW (Berichtsjahr 2016) weist in der gemeinwohlorientierten Weiterbildung hauptamtliche Mitarbeitende im Umfang von 5.780 Vollzeitäquivalenten und weitere 73.000 nebenberuflich Tätige aus.